Der Römische Vicus von Eisenberg

Der Burgus

Eisenberg um 200 nach Christus - Zeichnung Wolfgang HimmelmannIn Eisenberg bestand seit dem frühen ersten Jh. nach Chr. eine römische Siedlung (vicus),
deren wirtschaftlicher Schwerpunkt im Bereich der Eisenverarbeitung lag. Im Laufe der
folgenden Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine Kleinstadt mit urbaner Infrastruktur,
die im Laufe des vierten Jahrhunderts teilweise zerstört wurde.

Links sehen Sie in der Zeichnung von Wolfgang Himmelmann wie Eisenberg, dem derzeitigen
Stand nach, um 200 nach Christus ausgesehen haben mag.

Um 370 n.Chr. entstand über den Ruinen älterer Gebäude eine Kleinfestung (Burgus) als Teil
einer unter Kaiser Valentinian I. (365-375 n.Chr.) errichteten Festungskette zur Sicherung der
Rheingrenze.
Vorangegangen war eine Zeit kriegerischer Auseinandersetzungen und innerer Krisen, die zum
Zusammenbruch der Ordnung in diesem Gebiet geführt hatten. Im Schutz des Burgus bestand
die römische Siedlung von Eisenberg bis mindestens ins 5. Jh. hinein fort.



Eisenberg Lebensbild um 370 nach Christus - Zeichnung von Wolfgang Himmelmann
Im Zentrum der Anlage befand sich ein mehrstöckiger Festungsturm mit offenem Lichthof und Brunnen. Das Gebäude, von dem noch im 19. Jh. Reste oberirdisch sichtbar waren, die dann aber zur Gewinnung von Steinmaterial abgebrochen wurden,  war von einer starken, durch quadratische Türme verstärkten Mauer umgeben.
Durch die Ausgrabungen von 1882 und 1919 ist zwar der ungefähre Grundriss des Gebäudes bekannt, viele Details bleiben wegen der damals üblichen Grabungsmethoden jedoch unklar. 

Rechts sehen Sie in der Zeichnung von Wolfgang Himmelmann wie Eisenberg, dem derzeitigen
Stand nach, um 370 nach Christus ausgesehen haben mag.





Neue Grabung im spätantiken Burgus

Grabung am Burgus Eisenberg Sommer 2016 - Foto GDKE


Seit 2015 forscht das Institut für Klassische Archäologie der Universität Heidelberg gemeinsam
mit der GDKE Landesarchäologie Rheinland-Pfalz im Rahmen einer akademischen Lehrgrabung an diesem bedeutenden spätantiken Fundplatz,  wobei sie in vorbildlicher Weise durch die Stadt Eisenberg und den Förderverein Vicus Eisenberg unterstützt werden.

Überdies planen die Projektpartner gemeinsam mit dem Heidelberg Center for Cultural Heritage (HCCH), dem Curt-Engelorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim und dem Historischen Museum in Speyer einen Forschungsantrag zum römischen Eisenberg. 

Derzeit untersucht ein Grabungsteam unter der Leitung von Ulrich Mayer, Prof. Dr. Reinhard Stupperich und Dr. Ulrich Himmelmann einen Teil der Außenbefestigung des spätantiken Burgus, wobei im September 2016 ein Skelett eines Mannes entdeckt wurde.


Wer war der Tote von Eisenberg? 
- Überraschender Fund bei neuen Grabungen im spätantiken Burgus

Skelett mit mit Steinabdeckung - Foto - GDKEIm Innenhof des spätantiken Burgus von Eisenberg kam im Zuge der aktuellen Forschungsgrabung der Universität Heidelberg und der GDKE Landesarchäologie Rheinland-Pfalz völlig überraschend das Skelett eines ca. 165cm großen Mannes zu Tage.
Der Fund ist außergewöhnlich, da Bestattungen innerhalb von Siedlungen in der Römerzeit generell unüblich und gesetzlich untersagt waren und der Tote überdies großer Gewalt ausgesetzt war: Beide Schienbeine waren kurz unterhalb der Knie gebrochen, überdies war der Oberkörper des Mannes oberhalb des Beckens abgetrennt worden und lag - mit dem Gesicht nach unten - in der gleichen Grube wie der Rest des Toten.

Skelett mit Steinabdeckung - Foto GDKE




Bei der Freilegung - Foto - GDKEWer den Mann so zugerichtet und schließlich unter einer Lage schwerer Steine versteckt hat, ist unklar.
Bewiesen ist bislang lediglich, dass der Tote in der Römerzeit an dieser Stelle vergaben wurde.
Die Forscher erhoffen sich genauere Erkenntnisse durch die noch ausstehende Analyse des Fundmaterials und die anthropologische Untersuchung des Skelettes.

Skelett bei der Freilegung - Foto GDKE








U. Himmelmann
GDKE - Landesarchäologie
Rheinland-Pfalz
Speyer

   

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