Ein Doppelhaus in Holzfachwerktechnik (Haus 11/12):
Südlich der West - Ost verlaufenden Hauptstraße liegt gegenüber von Haus 4 eines
der wenigen bisher ergrabenen Streifenhäuser, das auch in seinen späteren Ausbauphasen
in Holz errichtet worden war und gleichzeitig mit den Steingebäuden bestanden hat.
Die Überrste dieses Gebäudes wurden inzwischen an der originalen Stelle rekonstruiert
und sind bereits als erster Bauabschnitt des Archäologischen Parks zugänglich.
Das 19 m lange und 15 m breite Doppelhaus besaß eine gemeinsame Trennwand und dürfte
komplett mit einem Satteldach gedeckt worden sein. Der östliche Gebäudeteil (Haus 11)
wies eine Breite von 8 m und der westliche (Haus 12) eine von 7 m auf. Beide Haushälften
waren teilunterkellert, in Form von je einem 4,00 m x 3,00 m großen Einbau aus Stein,
der vom Hausinneren her über eine 1,50 m breite Rampe bzw. Treppe betreten werden
konnte. Der stellenweise in seiner Höhe fast vollständig erhaltene Keller von
Haus 12, mit drei schönen Nischen in den Seitenwänden, lag der im Norden
vorbeilaufenden Hauptstraße zugewandt, wogegen der Lichtschacht des Kellers von
Haus 11 nach Süden in den Hinterhausbereich führte.
Beide Kellerverfüllungen bargen reiches Fundmaterial wie vollständig erhaltene, aber
zerdrückte Amphoren, sehr viele Geräte und Werkzeuge aus Eisen und an der Sohle
verkohlte Reste von einem in den Boden eingelassenen Holzfaß.
Die Steinschwellen für die Unterkonstruktion der Fachwerkwände waren nicht mehr alle
erhalten und kamen stellenweise schon knapp unter dem Pflughorizont zum Vorschein, so
dass mit einem originalen römischen Laufniveau dieser jüngsten Bauphase nicht zu
rechnen war. Dafür bot aber die darunterliegende Kulturschicht von bis zu 1,50 m
Mächtigkeit die Möglichkeit sich Einblicke in die älteren Bauphasen dieses Gebäudes zu
verschaffen. In jeweils 15 cm tiefen Abträgen wurde dieses Schichtpaket abgegraben,
wobei nach jedem Abstich die Verfärbungen der Baustrukturen, wie z.B. Pfostengruben und
Wandgräbchen zeichnerisch, fotografisch und schriftlich dokumentiert wurden. Durch
dieses schichtweise Tieferlegen der Planierschichten wurden in umgekehrter Reihenfolge
ihrer Entstehung die einzelnen Bauphasen dieser Häuser, stellenweise sogar mit den
dazugehörigen Lehmfußböden freigelegt. Im Falle der Häuser 11 und 12 konnten auf diese
Weise zwei bis drei Umbauphasen dokumentiert werden, denen der Bau nach seiner ersten
Errichtung unterzogen
worden war. Die genaue Ausarbeitung der einzelnen Bauphasen bleibt einer späteren
wissenschaftlichen Auswertung vorbehalten.
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U. Himmelmann & Th. Kreckel
LAD - Archäologische
Denkmalpflege
Rheinland-Pfalz
Speyer