Der Römische Vicus von Eisenberg

Der Bronzedepotfund

Vicus Eisenberg,
          Bronzedepotfund, Kandelaber und Leuchtgeräte.Während der Grabungskampagne 1993 wurde im Nordwestbereich von Haus 2 die Fundstelle 386 freigelegt. Es handelte sich hierbei um die Reste eines halbierten Holzfasses (0,9 m hoch, Durchmesser ca. 0,85 m), das in den Boden eingetieft worden war.
Abgesehen von dem Schuttmaterial, welches von der Hauszerstörung herrührt, bestand die “Füllung” aus verschiedenen Amphoren- und Gefäßresten, einem Terrakottafragment, einem Glasring mit Noppenverzierung, Eisen- und Bronzeschrott sowie einer Anzahl von interessanten Bronzeobjekten.

Dieses Depot setzt sich zusammen aus einer römischen Laufgewichtswaage mit Zubehör (unten), einer vermutlich nicht zur Waage gehörigen Wiegeschale, einer kleinen Merkurstatuette, einem Kandelaberunterteil in Form einer Raubkatzenpranke, die in ein pflanzliches Motiv übergeht, einem dreifüßigen Kerzenhalter mit Löwenkopfprotomen (unten), einem doppelkonischen ”diavoloförmigen” Leuchter (unten) und einer Öllampe mit Volutenschnauze (unten). Alle diese Stücke sind beschädigt oder zumindest unvollständig ans Tageslicht gekommen. Dies ist aber vermutlich nicht auf die Lagerung im Faß zurückzuführen, da trotz intensiver Durchsuchung des Füllmaterials keine weiteren fehlenden Teile oder Bruchstücke entdeckt werden konnten. Aller Wahrscheinlichkeit nach gelangten die Objekte schon in diesem Zustand in das Faß.

Vicus Eisenberg,
          Bronzedepotfund, Laufgewichtswaage mit Zubehör. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß es sich hierbei wohl nicht um einen Versteckfund handelt, sondern daß die Bronzen zur Metallwiederverwertung zusammengetragen wurden. Dafür spricht auch die Ansammlung von Metallschrott, die, wie bereits erwähnt, gleichfalls aus der Faßfüllung stammt. Vielleicht sollte aber auch das eine oder andere Stück wieder instandgesetzt werden.
Möglicherweise lebte im Haus 2 ein Metallhandwerker, der für den lokalen Bereich produzierte und vermutlich auch Reparaturaufträge ausführte, wofür er wohl auch Altmetall wiederverwendete. Nach der Zeitstellung der Bronzeobjekte und der weiteren Fundstücke aus der Faßgrube 386 soweit .sich dies erschließen läßt, dürfte das Depot in der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts n. Chr. angelegt worden sein. Nach der Zerstörung von Haus 2 nicht lange nach der Jahrhundertmitte geriet es in Vergessenheit.


Th. Kreckel
LAD - Archäologische Denkmalpflege
Rheinland-Pfalz
Speyer

   

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