Der Römische Vicus von Eisenberg

In Eisenberg wurde seit Beginn der 90er Jahre ein größerer Teil einer römischen Kleinstadt (Vicus) freigelegt. Das LAD Speyer führte hier von 1992 bis 2000 umfangreiche Ausgrabungen durch, die seit 2003 im Rahmen der Errichtung eines Archäologischen Parks mit Schutzbauten fortgesetzt werden.

Im Gebiet der Eisenberger Römersiedlung hatten bereits seit dem frühen 19. Jh. immer wieder unorganisierte oder schlecht dokumentierte Ausgrabungen - vor allem im Bereich eines spätantiken Burgus - stattgefunden.


Plan des römischen Vicus von Eisenberg. Im Zentrum der bislang ergrabene Teil der römischen Stadt (1-4. Jh. n.Chr.) mit dem bekannten Straßennetz. In rot die im Text erwähnten Hausnummern.
Links unten der spätantike Burgus, eine Festung aus dem 4./5. Jh. n.Chr.

Der Bau einer Umgehungsstraße erforderte nun eine langfristige Großgrabung, bei der ein Teil des Siedlungskerns auf bislang über ca. 7000 m² Grabungsfläche freigelegt werden konnte. Hierbei wurden bisher 17 Gebäude ganz oder annähernd vollständig ergraben. Weitere Häuser wurden angeschnitten oder sind aus Luftaufnahmen bekannt. Überdies fand man zwei Ost-West verlaufende Hauptstraßen, zwei Nord-Süd verlaufende Nebenstraßen und einen zentralen Platz. Die Befunde waren in der Regel überdurchschnittlich gut erhalten, da das Gelände in nachrömischer Zeit nicht wieder überbaut wurde. Dadurch erhielten sich ungestörte römische Kulturschichten von z.T. über einem Meter Mächtigkeit.

Weiheinschrift eines Beneficariers (römischer Straßenpolizist) an Mars Loucetius und Victoria Nemetona, geweiht am `10. Tag vor den Kalenden des Mai während des Consulats des C. Vettius Gratus Sabinianus und des M. Flavius Vitellius Seleucus´ ( = 22 April 221 n.Chr.)

Als Gründe für das Entstehen der Ansiedlung sind die günstige Lage an der Fernstraße von Worms nach Metz, die obertägig abbaubaren Eisenerzlagerstätten in der näheren Umgebung, sowie die reichen Klebsandvorkommen im Vicusbereich zu nennen.
Diese naturräumlichen Gegebenheiten begünstigten die Entwicklung der Ansiedlung zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Industrievicus. Von der mehrere Jahrhunderte andauernden Renneisenproduktion zeugen riesige Schlackehalden am Randbereich des Vicus sowie zahlreiche Schmelzofenfunde. 

 


Im Ortszentrum, an der Nordseite des zentralen Platzes befand sich ein als Forumsanlage zu interpretierender Gebäudekomplex (Haus 5, zur Lage siehe den Plan oben). Der ca. 41 m lange Bau mit axialsymmetrischem Grundriss besaß einen großen, im Osten gelegenen Innenhof, sowie einen apsidenartigen Anbau im Westen. Dazwischen lag ein Bereich, der wohl als Basilika gedeutet werden kann. An der zum Platz hin gelegenen Südfassade, der eine hölzerne Porticus vorgelagert war, ist ein Zugang zum Innenhof nachgewiesen. Ein weiterer Eingang kann im Osten, gegenüber der Apsis, angenommen werden. Der offene Innenhof, der von kleinen Räumen (tabernae) umgeben war, dürfte als Marktforum gedient haben.
Das Forum, gemeinsam mit dem zentralen Platz und dem benachbarten Haus 6, einem quadratischen Hallenbau, belegt die Bedeutung des Vicus als regionales Handelszentrum. Dessen Wohlstand drückt sich u.a. in einer Fülle von Inschriften- und Weihesteinen aus (z.B. der Priapusweihestein, Abb 3), die auf das Vorhandensein eines Kultbezirkes schließen lassen.
Darüber hinaus wurden Handwerkerbereiche nachgewiesen: Werkhallen und Grubenhäuser (in den Boden eingelassene Hütten mit Flechtwänden) deuten auf Metallweiterverarbeitung in kleinerem Rahmen hin. Streifenhäuser mit Ladengeschäften bezeugen einen gewissen Wohlstand der hier ansässigen Handwerker und Geschäftsleute. Hierbei handelt es sich um langrechteckige Bauten mit durchgängiger Dachfläche, die mit ihrer Stirnseite zur Straße hin lagen. In diesem Bereich sind Gewerbeeinrichtungen und Verkaufsräume anzunehmen. Zwischen Hauswand und Straße befand sich ein überdachter Laubengang (porticus). Die möglicherweise mehrgeschossigen Gebäude umfaßten sowohl Wohn- als auch Gewerbebereiche. Alle Eisenberger Streifenhäuser besaßen einen oder mehrere Keller (z.B. Abb. 4), einige waren überdies mit einer Fußbodenheizung (hypokaustum, z.B. Abb. 5) ausgestattet. Die in einigen Gebäuden gefundenen Reste von z.T. bemaltem Wandverputz oder Fensterglas, aber auch Architekturteile wie Sandsteinsäulen belegen den Lebensstandard einiger Bewohner.


Weihestein für den Fruchtbarkeitsgott Priapus
Die Buchstaben VS stehen hier für `VOTVM SOLVIT´
(`Er hat sein Gelübde erfüllt´).


U. Himmelmann & Th. Kreckel
LAD - Archäologische Denkmalpflege
Rheinland-Pfalz
Speyer

   

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